Offshore Hosting

Es gibt viele Gründe, die für Offshore Hosting sprechen. Neben dem aktuell in den Medien heiß diskutierten PRISM Skandal gibt es die weniger bekannte Webbeschleuniger-Problematik, und auch so manches EU-Gesetz treibt so manchen Inhalte-Anbieter vom europäischen Kontinent. Die Lösung all dieser Probleme lautet: Offshore Hosting.

Dieser Artikel behandelt alle wichtigen Aspekte des Hostings im Allgemeinen und des Offshore Hostings im Speziellen. Im Folgenden sind Informationen, welche als Entscheidungsgrundlage benötigt werden um den richtigen Hoster für eine Webpräsenz, diesbezügliche Daten oder allgemein für ausgelagerte Systeme zu finden.

Offshore Hosting als Mittel zum Datenselbstschutz

PRISM – ein Skandal, der derzeit durch alle Medien geht. Aber was hat es damit auf sich? Vereinfacht ausgedrückt ist PRISM ein Projekt der NSA (National Security Agency, amerikanischer Geheimdienst), in dem weltweit fast alle Kommunikation über alle möglichen Kanäle mitprotokolliert und archiviert wird. Leider betrifft das nicht nur “die anderen”, sondern tatsächlich jeden. Jeder kennt aus dem täglichen Leben Situationen, in denen einem “das Wort im Mund herumgedreht” wird. Was in der “Realität” meist von Angesicht zu Angesicht durch eine einfache Erklärung aus der Welt geschafft werden kann, könnte im digitalen Raum schwer absehbare Konsequenzen haben. Wer weiß schon, wer wann welche Protokolle auswerten und dabei vielleicht irgendetwas aus dem Kontext reißt. Um sich vor dieser Gefahr zu schützen, reicht es nicht nur, alle Kommunikation zu verschlüsseln, man muss auch möglichst alle Daten außerhalb der Reichweite unautorisierten Zugriffen aufbewahren.

In eine ganz andere Richtung geht die Problematik mit Webbeschleunigern. Ein Webbeschleuniger ist eine Technik, die eigentlich für beschleunigte Ladezeiten bei Webseiten sorgen soll. Außerdem können so dem Internetnutzer lokalisierte Inhalte ausgeliefert werden, sodass zum Beispiel ein Kunde aus München seinen (natürlich legalen) MP3 Download von einem deutschen Server bezieht, der Kunde aus New York die gleiche Datei aber von einem amerikanischen Server. In manchen Fällen liegt hier die Intelligenz der Technik weit daneben und der deutsche Kunde wartet auf seinen Download, weil die Datei vom anderen Ende der Welt kommt. Bei vielen dieser Probleme kann es hilfreich sein, seine Domain auf einem anderen Kontinent zu hosten.

Was ist Hosting überhaupt?

Beim Hosting stellt ein Dienstleister seine Infrastruktur (Server, Netzwerk, Storage, Strom) gegen Entgelt zur Verfügung. Es gibt viele verschiedene Varianten beim Hosting, angefangen beim sogenannten Housing (der Dienstleister betreibt Kundenhardware in seiner Infrastruktur) bis hin zum kleinen shared vHost (der Kunde mietet nur eine Webserver-Instanz, keinen kompletten Server).

Beim klassischen Hosting wird dem Kunden ein komplettes Serversystem (dedicated Server) zur Verfügung gestellt, ob virtuell (eine virtuelle Maschine, auch VPS oder VDS genannt) oder physikalisch spielt nur beim Preis und bei der Leistungsfähigkeit eine Rolle.

Über dieses Serversystem hat der Kunde die volle Kontrolle. Abhängig vom Servicepaket (und den Mietkosten) bietet der Dienstleister meist auch den Betrieb und die Wartung dieser Systeme mit an. Das Betriebssystem (ob Linux, Unix, oder andere) und die darin installierte Software unterliegen jedoch der Hoheit des Kunden.

Letztendlich entscheiden hier die technischen Anforderungen des Kunden, seine administrativen Fähigkeiten und der finanzielle Aspekt, welche Hostingvariante zum Tragen kommt. So macht es in der Regel keinen großen Unterschied ob Virtualisierung zum Einsatz kommt, oder nicht. I/O-lastige Anwendungen wie zum Beispiel hoch ausgelastete Datenbanken wollen allerdings nicht virtualisiert werden, ein Fileserver, der nur als “Datengrab” dient, begnügt sich auch mit einer kleinen VM.

Das Offshore Hosting unterscheidet sich in diesen technischen Dingen nicht vom lokalen Hosting. Hier steht das Rechenzentrum einfach nur nicht in Frankfurt, sondern in Singapur oder in Rumänien.

Wichtig sind bei den Hostingpaketen die technischen Details: Wer übernimmt zum Beispiel das regelmäßige Einspielen von Sicherheitsupdates? Wer übernimmt die Verantwortung für die korrekte Konfiguration von sicherheitsrelevanten Systemdiensten? Um diese Fragen zu beantworten, muss man sich die technischen Details des Hostingangebotes genau anschauen. Höherwertige Angebote haben solche Serviceleistungen inklusive, günstigere Angebote überlassen diese Aufgaben dem Kunden.

Neben der technischen gibt es aber auch noch eine rechtliche Seite. So gibt es z.B. klare gesetzliche Vorgaben, welche Unternehmensdaten innerhalb und welche Daten außerhalb der EU gespeichert werden dürfen. Unternehmensinterne Kundendaten die, dem deutschen Datenschutz unterliegen, dürfen zum Beispiel nicht außerhalb der EU gespeichert werden, was gerade in Bezug auf bekannte Cloud-Anbieter in der Vergangenheit immer wieder zu Diskussionen geführt hat. Andererseits kann man aber auch die rechtlichen Vorteile des Offshore Hostings nutzen. Deutsche Strafverfolgungsbehörden haben nämlich schlechte Karten auf offiziellem Weg an Verbindungs-, Abrechnungs- oder Userdaten zu kommen, die auf Servern im Ausland liegen. Von illegalen Angeboten mal abgesehen werden häufig auch legale, wenn auch moralisch grenzwertige Angebote im Ausland gehostet (Adult Content). Darauf haben sich viele Offshore Hosting Dienstleister spezialisiert. Hier finden sich zahlreiche Angebote, in denen die Dienstleister garantieren, dass es keine Einschränkungen bei den gehosteten Inhalten gibt. Diese Angebote werden häufig von illegalen Filesharing-Diensten oder Videostreaming-Portalen genutzt.

Zusammengefasst: Welche Vorteile bietet Offshore Hosting?

  • Kein anderer, vor allem keine Behörden oder Dienste von westlichen Staaten, hat Zugriff auf die Daten
  • die Daten sind durch aktuelle Verschlüsselungstechnologien vor unbefugtem Zugriff geschützt
  • durch redundante Verteilung der Daten auf verschiedene Hoster in verschiedenen Erdteilen sind die Daten vor Verlust geschützt
  • durch Nutzen von Anonymisierungssoftware (VPN, TOR, u.a.) auf den Systemen ist eine nicht nachzuverfolgende Nutzung des Internets möglich